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Interview mit Florian Boden über AI-Mastering

Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit am SAE-Institut in Athen wurde ich gebeten ein paar Fragen zum Thema AI-Mastering zu beantworten. Das Original-Interview findet sich in englischer Sprache hier.

Was sind allgemein deine Gedanken rund um AI-Mastering-Dienste?

Mastering ist für viele Leute, selbst Musikern, etwas schwer Verständliches und Magisches. Viele fühlen sich wohl dabei ihre eigene Musik zu mixen, aber beim Mastering suchen auch die vielen Millionen Home-Studio-Produzenten nach einer Lösung für sich. Heutzutage, hält AI-Mastering mehr und mehr Anteile in der Industrie durch Hobby-Musiker, die ihre eigene Musik zu Hause produzieren. Meiner Meinung nach, kann AI-Masteringfür Leute, die ihre eigene Musik schätzen, nicht ein menschliches Mastering ersetzen. Es ist ein bisschen, wie der Vergleich zwischen einer Instant-Soup und einer Mahlzeit von einem professionellen Koch oder dir selbst gekocht. Beides ist essbar, aber die Qualität unterscheidet sich enorm. Menschen machen Fehler, und so kann auch ein Mastering von einem Engineer, gelegentlich nicht den Anforderungen entsprechen. Eine Maschine ist zuverlässig aber man wird bei einem Mastering dort keine euphorischen Überraschungen erleben.

Ertappst du dich beim Mastering dabei künstlerische Entscheidungen zu treffen, oder

sind diese alle technische Natur? Falls ja, erzähle etwas darüber.

Die Übergänge zwischen technischen und künstlerischen Entscheidungen sind fließend. Ich mache oft Stem-Mastering, bei denen der Song in 4 Spuren aufgeteilt ist. (Drums, Bass, Instruments und Vocals. An dieser Stelle mögen manche Dinge in Betracht kommen, die üblicherweise im Mixing behandelt werden. Es kommt vor, dass ich Künstler in ihrer Entscheidung unterstütze, welche Songs auf ein Album sollen, oder welche Version eines Songs gewählt werden soll. Mastering gilt generell als etwas sehr Technisches, aber ich erlebe es als etwas sehr Kreatives. Die Bearbeitungen und Änderungen während eines Masterings, sind meist technisch, aber ich arbeite dabei nicht mit meinem technischen Verständnis, sondern mit meinen Ohren. So fühlt es sich für mich nach etwas Kreativem und nicht Technischem an.

Auf welche Art und Weise beeinflusst die menschliche Wahrnehmung die Entscheidungen, die Du als Engineer während es Masterings eines Songs triffst?

Ich habe Probleme diese Frage zu beantworten. Neben der klanglichen Erfahrung, worum es beim Mastering geht, und neben dem verwendeten Abspielsystem, geht es genau um die menschliche Wahrnehmung eines Songs und seinem Sound.

Angenommen Du hast einen Kunden der unentschlossen in ein Mastering bei Dir zu investieren oder die Songs doch bei einem AI-Mastering service bearbeiten zu lassen. Was würdest Du Ihm oder Ihr raten?

Ich akzeptieren die Herausforderung und biete ein kostenloses Test-Master mit einem ein-minütigem Snippet des Masters an. Auf die Art kann der potenzielle Kunde es mit einem AI-Mastering vergleichen. Das alles kann passieren, bevor der Kunde zahlen muss. Manchmal gewinne ich das Rennen, manchmal verliere ich es. Erst kürzlich hatte ich einen Kunden der sich schlussendlich dann doch für das AI-Mastering entschieden hat. Menschliche Engineers, sind nicht in der Lage mit den Preisen von AI-Mastering mitzugehen.

Mit Musikhörern die nicht die feinen Nuancen einer Aufnahme wertschätzen, entweder aufgrund von schlechten Abspielsystemen, oder aufgrund von fehlendem Wissen darum, warum sollte ein Künstler noch in ein professionelles und qualitatives Mastering investieren?

Ein Künstler sollte sich fragen, was für eine Art Hörerschaft er möchte. Für einen Künstler noch mehr als für einen Engineer macht Geld allein nicht den springenden Punkt aus. Deren Musik kann etwas sehr Persönliches sein und sollte die Aufmerksamkeit bekommen, die es verdient und die der Künstler für seinen Song möchte. Wenn die Musik nur etwas angenehm Klingendes im Ohr wäre, könnten wir die Produktion von Musik auch an eine AI übergeben. Musik ist ein besonderer weg Emotionen vom Künstler zum Zuhörer zu übertragen. Ein gut klingender Sound hilft bei der Hörerfahrung, da es nichts Störendes im Mix und Master mehr gibt, was die Aufmerksamkeit von der Musik zieht.

Warum denkst Du entscheiden sich diese Tage manche Künstler für ein Online-Mastering, statt mit einem Engineer zusammen zu arbeiten? Begleitend zu deiner Meinung, wie können Künstler davon profitieren?

Ich denke das ist keine generelle Entwicklung. Künstler die für eine Albumproduktion ins Studio gehen, nehmen üblicherweise auch das Geld für einen menschlichen Mastering Engineer in die Hand. Über die letzte Dekade ist der Markt an Home-Studio-Produzenten explodiert. Nahezu jeder, der ein Instrument spielt oder singt, möchte seine eigene Musik produzieren. Für diese Leute ist es oft eine große Herausforderung zu Beginn. Begonnen bei dem benötigten Equipment, über die Erfahrung und das Knowhow, wie all die technischen Dinge funktionieren. Streaming-Erlöse sind niedrig und nur wenige können ein Leben von diesen Einnahmen bestreiten. Daher scheint AI-Mastering zu 10% des Preises eines Engineers sehr attraktiv.

Es gibt noch etwas, das viel unter Leuten auftritt die ihre eigene Musik machen, aber nicht dafür ins Studio gehen. Alles muss selbst erledigt werden. Sie spielen die Instrumente, produzieren die Musik und Beats, singen und rappen selbst, mixen und wollen schlussendlich auch das Mastering selbst machen. Dabei fehlt es beim Mastering oft an der nötigen Zuversicht und Wissen wie das ganze angegangen werden soll. Mit AI-Mastering bekommst du einen günstigen Stempel wie etwa: Dieser Song ist gemastert“. Am Ende kann ein Online-Mastering nur wenig verbessern, falls der Mix Probleme hat. Ein Beispiel für so einen Fall, in dem der Prozess mit einem menschlichen Engineer anders aussähe. Mit einem problematischen Mix, würde wohl ein Stem-Mastering gemacht werden, mit dem sich das AI-Mastering zu messen hätte.

Können AI-Mastering-Dienste für dich und eine Arbeit hilfreich sein?

Ich habe mir vor einiger Zeit ein paar AI-Mastering-Services angeschaut. Es hat Spaß gemacht die AI-Master mit meinen zu vergleichen. In 90% der Fälle, bevorzugte ich mein eigenes Master in einem lautstärkeangeglichenem Blind-Vergleich. Ein AI-Mastering kann bei Problemen helfen die richtige Balance in einem menschlichen Mastering zu finden. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus, würde ich immer dazu raten, das Mastering selbst zu machen, wenn das Geld für einen Engineer fehlt. Wenn man jedoch bedenkt, wie viel Zeit es kostet einen kompletten Song zu produzieren, scheint die Investition in ein Mastering für den finalen Schliff, eine geringe Investition mit hohem Potenzial.

Im Zuge der technologischen Entwicklung, denkst Du das AI-Mastering macht eines Tages die Notwendigkeit der menschlichen Wahrnehmung überflüssig oder wird diese zwingend gebraucht?

Ich denke der Markt für AI-Mastering ist riesig. Mastering gilt üblicherweise als etwas sehr Technisches, aber wie zuvor beschrieben, erlebe ich es als etwas sehr Kreatives. Die AI-Mastering-Dienste spielen mit dem fehlenden Wissen und Mythen übers Mastering. Dieser Umstand wird noch durch die Diskussion rund um Streaming-Services und deren Lautstärke-Angleichung angeheizt wird. Stellen wir uns vor, wir sprächen über Malen. Was ist der Punkt an einem Gemälde erschaffen von KI. Nehmen wir an dieses hätte dieselbe Qualität, wie ein ähnliches menschliches Werk. Würden wir ein KI-Kunstwerk dem menschliche Kunstwerk vorziehen. Sicherlich würde der Preis eine Rolle spielen, jedoch finde ich es spannend einen Song zu hören, der darauf etwas vom Künstler zum Hörer transportieren möchte. Musikproduktion ist ein Prozess und dieser wird in dem finalen Kunstwerk repräsentiert. Eine Songproduktion kann eine wunderbare Sache sein, mit all den Beteiligten. Die Instrumentalisten, Sänger, Mixing Engineer, Producer and so weiter. Der Mastering-Engineer trägt seinen Teil zu diesem ganzen bei.